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Kurzreferat |
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| Name: |
Carol Strohecker |
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| Titel: |
Zukünftige Modelle IuK-befähigter Lernsysteme: Wie wirken sich diese auf das Schulsystem aus? |
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| Datum: |
Montag, 17. Mai 2004. |
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| Zeit: |
16.15 –17.15 Uhr |
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Die Ausrüstung der Schulen mit Computern und Breitband
allein ist noch keine Garantie für eine technologisch
gebildete Generation. Es ist natürlich unbedingt notwendig,
dass wir jungen Menschen diesen Zugang ermöglichen, doch
damit allein ist es nicht getan. Wir müssen darüberhinaus
neue Anwendungsmodelle entwickeln und realisieren.
Dies ist eine schwierige Herausforderung, denn sie erfordert
Menschen mit einem gleichzeitigen Verständnis der Technologien,
der Kinder und der Bildungssysteme, in denen diese vereint
werden sollen. Wir befinden uns heute zwar mitten im Informationszeitalter,
doch solche Menschen sind immer noch schwer auffindbar.
Und wenn wir sie dann doch finden, tendieren wir dazu,
sie nicht ausreichend zu unterstützen, um ihre Best-Practice-Verfahren
beibehalten zu können, die sie kennen und die sich aufgrund
zahlreicher Forschungsstudien als effektiv erwiesen haben.
Warum tun wir dies nicht? Weil wir dann zugeben müssten,
dass der Prozess der Veränderung unserer Schulen dahingehend,
dass Technologien optimal eingesetzt werden, eine fundamentale
Umgestaltung mit sich bringen würde. Dieser Vorgang erfordert
Zeit und permanente Investitionen. Er setzt zusätzliche
Kostenumlagen voraus, die über den Erwerb und die Installation
von Geräten hinausgehen. Er erfordert Investitionen für
die Entwicklung des Lehrpersonals, Online-Leistungen,
Umgestaltung der Gebäudearchitektur sowie die Zusammenarbeit
mit der IT-Branche.
Und wenn wir ganz ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass
solche Veränderungen unsere Vorstellungen des Lernens
selbst untergraben könnten: Was Lernen bedeutet, wie verschiedene
Menschen lernen, was man wissen muss und wie das Wissen
auf einem Bereich die Wissenssteigerung auf anderen Bereichen
unterstützen kann. Die Präsenz von Computern allein erfüllt
nicht die erkenntnistheoretischen neuen Darlegungen, die
wir brauchen, um allumfassende, ökonomisch wachstumsfähige
Gesellschaften des 21. Jahrhunderts zu schaffen.
Das Hauptproblem liegt in der Realität, dass Computer
dem Bildungssystem zwar neue, interessante Möglichkeiten
bieten können, dass mit ihnen jedoch auch nach heutigen
Maßstäben als mangelhaft angesehene bildungsbezogene Verfahren
permanent weiterbenutzt werden können: Computer können
übertragbare Modelle wie die Anweisungsweitergabe und
übungsbezogene Software basierend auf alten und abgenutzen
Themenbereichen verkleiden und sogar noch effizienter
machen.
Forschungsstudien und die Praxis der letzten Jahrzehnte
haben gezeigt, dass solche Modelle weniger effektiv sind
als Ansätze, die ein aktives, konstruktives und individuelles
Engagement mit dem Material und den Ideen fördern: Ideen,
die Wissensdomänen miteinander verbinden, anstatt diese
separat zu behandeln. Diese Ansätze können ein anhaltendes,
tiefgehendes Engagement mit der Materie und letztendlich
ein dauerhafteres Lernen unterstützen. Wenn man sie ernsthaft
angeht, erfordern diese Ansätze jedoch die Umgestaltung
bekannter Strukturen für Lehrpläne und Lernumgebungen.
Die Orte, an denen Menschen sinnvoll Dinge gestalten und
ihre Ideen entfalten können, müssen Bewegungsfreiheit
und freien Zugang zum Material sowie anderen Menschen
gewährleisten. Alle Beteiligten, Schüler und Lehrer gleichermaßen,
brauchen Zeit, um sich intensiv mit Projekten befassen,
anstatt entsprechend eines extern festgelegten Zeitrahmens
von einer extern entwickelten Idee zur anderen zu wechseln.
Die Auffassung der Kontrolle verändert sich also: Wer
kontrolliert den Raum und die Bewegungen, wer kontrolliert
den Materialzugriff, wer kontrolliert die Zeit und wer
kontrolliert die Ideen selbst, mit denen die Menschen
arbeiten. Korrekt angewendet können Computer wirklich
schlagkräftige Denkweisen ermöglichen.
Worum geht es bei diesen Denkweisen? Nicht um gute Tastaturkenntnisse
oder Fachwissen in den Bereichen Kalkulationstabellen
und Textverarbeitung, sondern vielmehr um die Beschäftigung
mit dem Wesentlichen des Konzeptes Computer selbst. Mit
speziell entworfenem und doch frei verfügbarem Computermaterial
können selbst kleine Kinder Roboterkonstruktionen errichten:
Dinge, die sich bewegen, Dinge, die Aspekte ihrer Umgebung
wahrnehmen und die Informationen zurück ins System geben,
wodurch weitere Aktivitäten beeinflusst werden. Diese
Kinder spielen nicht nur mit bunten Plastikteilen und
nicht nur mit den erzählerischen Ideen, die die Aktionen
ihrer kleinen Roboter umrahmen, sondern mit allgemein
bedeutenden Konzepten wie Variabilität und Feedback.
Solche Konzepte sind die Bausteine komplexer Systeme,
denn sie bestehen aus einer hohen Anzahl von Einzelteilen
und die Beziehungen zwischen diesen Teilen tendieren dazu,
sich stets zu verändern. Ein Verständnis dieser Bausteinkonzepte
verleiht ein Befähigungsgefühl, denn so viele Aspekte
unseres täglichen Lebens sind multivariat und dynamisch
strukturiert. Diese Komplexität erleben wir in einer Reihe
alltäglicher Phänomene: Wettersysteme, Verkehrsfluss,
Wirtschaftstrends, Familien und Organisationen sind nur
einige Beispiele hierfür.
Die Schönheit eines Bildungssystems, das sich auf die
Entwicklung des Verständnisses dynamischer Systeme konzentriert,
indem es sich mit der veränderlichen Beschaffenheit des
Computermaterials befasst, liegt darin, dass es das Verständnis
von zu Grunde liegenden und viele Bereiche unseres Lebens
dominierenden Eigenschaften fördert. Durch einen besonderen
Fokus auf individuell bedeutende Projekte können sich
Kinder und Erwachsene eine sehr allgemeine Art von Wissen
aneignen.
Wir haben es in der Hand, die Bildung zukünftiger Generationen,
die die Grundlagen ihrer komplexen Welt verstehen und
sich zur Auseinandersetzung mit diesen Grundlagen, ungeachtet
ihrer Erscheinungsform, ermächtigt fühlen, zu gestalten
und zu unterstützen. Diese Chance dürfen wir nicht verpassen. |
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