"new futures for learning in the digital age"
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Kurzreferat
Name: Seymour Papert
Titel: Wird eine Umstellung auf digitale Technologien das Bildungssystem verbessern oder transformieren?
Datum: Montag, 17. Mai 2004.
Zeit: 14.15 –15.45 Uhr
Ich riskiere folgende Behauptung: Ich persönlich bin der Ansicht, dass 90 Prozent des heutigen Schullehrplans in Mathematik und Wissenschaft innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte eliminiert sein werden. Mein Ziel liegt jedoch nicht darin zu überzeugen, dass dies passieren wird oder passieren sollte. Vielmehr will ich versuchen, meine Zuhörer davon zu überzeugen, dass wir uns damit befassen sollten, ob eine solche Entwicklung passieren könnte. Der unmittelbare Schwerpunkt meiner Botschaft liegt daher weniger bei den Schulen bzw. den Lehrfachleuten, sondern bei den Theoretikern, den Politikern und bei uns selbst. Ich glaube, wir tragen Scheuklappen und konzentrieren uns lediglich darauf, wie wir heutige Praktiken korrigieren oder verbessern können, anstatt Wege zu suchen, mit denen neue leistungsstarke Technologien völlig unterschiedliche Praktiken ermöglichen könnten.

Ich erwarte drei Einwände zu dieser Position, denen ich wie folgt entgegne.

Einwand 1: "Es stimmt einfach nicht, dass die Bildungswelt sich nicht mit weitreichenden Veränderungen befasst. Digitale Medien haben bereits zu einer Reihe neuer Lehr- und Lernmethoden geführt." Entgegnung 1: Die meisten Anstrengungen beschränken sich auf neue Wege, denselben Inhalt zu lehren. Die wahre Macht der neuen Technologien liegt darin, tiefgreifende Veränderungen des Lehrinhalts zu erlauben – wir müssen verändern, was, und gleichzeitig wie, gelernt wird.

Einwand 2: "Die Technologie sollte nicht den Lehrplaninhalt bestimmen. Sie sollte als Instrument und nicht als Meister eingesetzt werden." Entgegnung 2: Es ist genau umgekehrt: der derzeitige Lehrplan wird fast ausschließlich durch die Technolgoie bestimmt … durch die altmodische, beschränkte Wissenstechnologie statischer Bücher, Kreide und Bleistifte. Mit seiner Universalität befreit die digitale Technologie das Lernen von allen durch frühere Technologien auferlegten Einschränkungen.

Einwand 3: Selbst wenn wir ein besseres Bildungssystem entwerfen könnten, wäre es unmöglich, bei einem so tiefverwurzelten System wie der Schule drastische Veränderungen zu realisieren. Entgegnung 3: Nicht unmöglich. Nur schwierig. Anhand von Fallstudien einer großangelegten Einführung von Einzel-Computerunterricht an Schulen (wo jeder Schüler über ein eigenes Laptop verfügt) werden die Probleme und potenziellen Lösungsmöglichkeiten deutlich.

Das Paradox der Trennung zwischen einer Diskussion über Technologie und einer Diskussion über fundamentale Fragen zu Inhalt und Methodik wird am besten anhand einer Situation in Frankreich deutlich. Zur selben Zeit, wie einige Regionen (z. B. Les Landes und Bouche du Rhône) bei der Einführung digitaler Technologien eine weltweite Führungsposition einnehmen, befasst sich das zentrale Bildungsministerium mit einer staatlichen Debatte über das Schulkonzept, die den Technologiebereich nur am Rande erwähnt.
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